Dienstag, 25. September 2012

CC - my relationship with the organ itself is quite troubled

Cameron Carpenter - Ausdruck aktueller Musik.
Dabei ist sein Verständnis von "seinem" Instrument gerade zu chaotisch. Die Orgel kann nicht das leisten, was CC leisten möchte. Unvollständige Medien - komplexer Mediensinn. Wir werden das in einem Essay noch mal aufgreifen. Für den Moment verschafft dieses Video einen guten Eindruck.



Mittwoch, 19. September 2012

Wagner und Fry

Hier eine Filmkritik zu Stephen Frys Film Wagner and me. Eine sehr pointierte Zusammenfassung zur Person Wagner und Wagners Antisemitismus und die Frage, wie wir uns Wagners Musik heute annähern können.


Hier zwei kurze Ausschnitte:
Richard Wagner war ein Antisemit. Er hat das Wort „Judenfrage“ erfunden, als erster eine mögliche „Endlösung“ postuliert und mit als Musikwissenschaft getarnten Hetzschriften wie „Das Judenthum in der Musik“ und „Deutsche Kunst und Deutsche Politik“ schon im 19. Jahrhundert den ideologischen Nährboden gelegt, mit dem seine Landsleute 80 Jahre später jüdische Massengräber zuschaufelten. Wagner hat laut und öffentlich darüber nachgedacht, ob man seinen sehr viel erfolgreicheren jüdischen Kollegen Meyerbeer „nicht einfach beseitigen“ könne, um „wahrer deutscher Kunst“ Platz zu machen. Er war, streng ideologisch gesehen, ein echtes Schwein, ein narzisstisches, verblendetes Monster, das von seinem eigenen Genie so überzeugt war, dass er bis weit in seine 50er warten konnte, um es sich selbst und allen anderen endlich zu beweisen.
Wagner war Antisemit. Er hat „Das Judenthum in der Musik“ 1950 unter Pseudonym veröffentlicht und 20 Jahre später unter eigenem Namen noch einmal, nur in verschärfter Form, er hatte genau solche jüdischen Freunde wie Ronald Reagan oder Bush jr. schwule Freunde haben, und die Wirkungen lassen sich von den Hebeln eben nicht trennen, ohne dass man die Maschine kaputt macht.

COPs und infogene Lebenswirklichkeit

2011 verfasste ich aus dem Text "Communities of projects" (Manfred Faßler, 2006. In: Ch Reder (Hrsg.): Projekt Lesebuch, Wien, New York) dieses Schaubild:


Das Schaubild fasst die Dynamiken und Entwicklungen zusammen die Faßler gegenwärtig sieht: Ein Ende der Gesellschaftszeit und der Beginn einer Zeit der Communitites of projects (COPs). Es sind Projektgemeinschaften, die in virtuell-realen Orten ihre Heimat haben (künstliche Geosozialitäten), temporär festgelegt, durch Kompetenzen gesteuert werden. Näheres entnehmen man dem Schaubild.

2012 verfasste ich aus dem Buch "der infogene Mensch" (Manfred Faßler 2008, das Buch wurde hier bereits mehrfach zitiert) dieses Schaubild:


Es fasst sicherlich nicht das ganze Buch zusammen. Der Auftrag lautete hier wesentliche Argumente des Buches für das Konzept der infogenen Lebenswirklichkeit sichtbar zu machen. Es ist daher eher eine grobe Skizze. Zu dieser Thematik wird auf diesem Blog noch einiges an Text folgen, aber vielleicht kann dies hier als Appetithäppchen genutzt werden und Lust auf mehr machen.

Dienstag, 18. September 2012

Kritik des Avantgarde-Begriffs

Der Begriff Avantgarde scheint mir ein geschichtlicher und damit auch begrenzter Begriff zu sein, der bestimmte politische, soziale, kulturelle und historische Voraussetzungen hat. Gerade der militärische Bezug aus der Zeit der großen Nationalismen in Europa noch vor den zwei Weltkriegen, sollte mißtrauisch stimmen.

Freikorps-Poster ca. 1919

Die jeweiligen Avantgarden (kleine Gruppen mit straffer Ordnung) verstanden sich sehr wohl als (gewaltsamen/revolutionären) Angriff gegen Bürgerlichkeit, Hierarchie und Status quo. Daher auch die agressive Ausrichtung und mögliche Zugehörigkeit sowohl zu links- als auch rechtsutopistischen Lagern (s. Futurismus) und ein grundsätzlich antidemokratischer Zug.

 Luigi Russolo, Carlo Carrà, Filippo Tommaso Marinetti, Umberto Boccioni, and Gino Severini
Gleichzeitig ist der Begriff in seiner linearen Verortung beschränkt und reflektiert nicht auf  infogene Zusammenhänge oder andere Nichtlinearitäten. Schließlich spricht auch das Selbsverständnis der Avantgardisten, ihrer Zeit voraus zu sein und damit außerhalb des Gesamtzeitgefüges zu stehen (quasi in einer anachronistischen Zeitblase), gegen die Brauchbarkeit eines Begriffes der falsches elitäres Bewußtsein/Denken und damit Nischenbildung befördert.

Luigi Nono, Karel Goeyvaerts, Karlheinz Stockhausen

Egal wie modern oder experimentell ein Künstler ist, er kann nicht aus den Zwängen (Situationen, Verhandlungen, Programmierungen, Diskursen etc.) seiner Zeit/Umwelt treten! Wir sollten den Begriff der Avantgarde als historischen Begriff wahrnehmen und verwenden und im Gegenzug den Begriff der Moderne stärken oder eben neue Begrifflichkeiten entwickeln, die angemessener unsere Gegenwart wiederspiegeln.

Die Frage nach der Avantgarde 

Mittwoch, 12. September 2012

Die Wetterlage der Geschichte

Geschichte in jeder Form, ob Biographie oder die Geschichte der Menschheit, der Kultur, der Kunst oder der Musik ist komplex und nichtlinear. Sämtliche bisherigen Beschreibungen vernachlässigen diese wesentlichen Eigenschaften. Es werden Muster erkannt ähnlich wie beim Wetter, aber genaue Aussagen oder gar Vorhersagen sind nicht möglich, da das Gesamte komplexer ist mit all seinen Informationen, als wir erfassen können. Schon die geringsten Abweichungen der Ausgangsvariablen führen zu den größten und gegensätzlichsten Resultaten. Jede Aufzeichnung ist immer nur ein kleiner Ausschnitt aus allen möglichen Faktoren. Jedes Modell ist nur bis zur einer bestimmten Detailliertheit genau und läßt  den Rest durchs Raster fallen. Jede Verallgemeinerung ist genau das: Es werden Zusammenhänge ausgeblendet, die wir nicht erfassen, erkennen, verstehen oder interpretieren können. Wir erkennen klimabedingtes Wetter und Großwetterlagen, saisonale Veränderungen, aber nur weil wir hier Muster erkennen können oder erkennen zu glauben, da dies unserer linearen Perzeption unserer Umwelt entgegenkommt. Genauso ist es mit der Geschichte, die erst noch entdeckt werden müßte. Warum eine Epoche die andere ablöst, ein Stil den anderen, ist unklar und nicht mit simplen Terminologien wie Fortschritt und (logischer) Entwicklung zu beschreiben, geschweige denn zu verstehen. Immer ans Wetter denken: Wir wissen wie das Wetter ist, genau dann wenn es ist und immer nur dort wo wir sind. Leider wissen wir nicht: Warum und wie es woanders ist oder vorher war oder später sein wird. Das können wir nicht erkennen, wir benutzen Statistik und Induktion, tiefere Gründe sind uns noch nicht erschlossen. Also Geschichte ist wie Wetter, was eine schöne Metapher dafür ist, wie wir Geschichte umschreiben müssen.

Und weil es so schön ist, hier ein bißchen Wetter:

video

Kind am Möbel

Improvisationen am verstimmten Klavier mit quietschendem Hocker

Improvisationen und Videoelemente

Ich selber habe schon als Kind sehr gerne auf dem Klavier improvisiert: Die unbeeinflusste (?) und unvoreingenommene (?) Aneignung (?) dieses Blocks in der bürgerlichen Stube hat mir wundervolle Stunden beschert. Das Lärmen, Ausprobieren und Kommunizieren mit dem Instrument, seinen Strukturen und Farben schien mir immer angemessen, da möglich. Hier war keine Syntax oder Grammatik nötig: Es gab eine Architektur (Spielplatz), die es zu erkunden, zu entdecken und zu kartographieren galt. Es ging nicht um Satzweisen und Töne, es ging um Direktionalitäten, Bewegungen, die Klaviatur als Labyrinth. Und auch heute  haben diese Beobachtungen ihre Gültigkeit und ich empfinde diesen spielerischen Anreiz. 
Ich habe ein wundervoll verstimmtes Exemplar zu hause und mich reizt die Idee in Black Box Improvisationen auf einem verstimmten Klavier mit einzubeziehen, eventuell sogar in Videoform. Hier ist eine Probe mit quietschender Klavierbank.
 


Samstag, 8. September 2012

Materialfortschritt?

"Nicht nur verengt und erweitert es (das Material, Hg.) sich mit dem Gang der Geschichte, sondern alle seine spezifischen Züge sind Male des geschichtlichen Prozesses."  aus Theodor W. Adorno Die Philosophie der Neuen Musik

Die Frage ist ja nicht mehr der Materialfortschritt oder -stand, der hat sich ja wie jede Modeerscheinung im Zuge der Autonomiebewegungen und -wenden als limitiert und vergänglich entlarvt. Die Frage ist vielmehr: Was wir mit dem ganzen Wissen und der Technik anfangen, wie naiv oder reflektiert gehen wir damit um?

Daher ist der Ansatz H. Lehmanns so interessant, dass die Postmoderne mittels Ironie die obsoleten Materialien wieder verfügbar machte, sich jetzt aber selbst überlebt hat und ironie nur noch ein Medium unter anderen ist.

Natürlich werden weiterhin neue Spieltechniken und Technologien entwickelt, aber diese sind eben nicht mehr wesentliche Merkmale der modernen Musik.

Ein Ende der Kunst ist erstmal nicht in Sicht.

Donnerstag, 6. September 2012

Interaktive Muskel Musik

Hier ein wunderbares interaktives Internetfundstück. Obwohl ein Comercial, nehmen wir es hier in diesen Blog, wegen der schönen Umsetzung der Idee einer EinMannBand und der Idee einer alternativen Steuerung  und damit ungewohnten Interface-Erweiterung. Die am Ende des Videos aufgesetzte interaktive Oberfläche ermöglicht die Steuerung der einzelnen Muskeln mittels Tastatur und damit die Reproduktion der einzelnen Soundsamples: Ein wunderbares Instrument/Interface zum Improvisieren und Musizieren für jeden.

Old Spice Muscle Music from Terry Crews on Vimeo.

Mittwoch, 5. September 2012

Skizzen einer Kulturanthropologie des Medialen - Fragment 1

  In diesem Beitrag, der sich letztlich als Essay versteht, soll in verschiedenen Teilen die wesentlichen Merkmale einer Kulturanthropologie des Medialen skizziert werden, um sie letztlich auf die Musik übertragen zu können. Es sind unvollständige Gedankengänge, die als Denkstütze zu verstehen sind.

  Im ersten Fragment soll die Perspektive, der theoretische Ansatz und die Entstehung von Künstlichkeit umrissen werden. Dabei werden die Theorien von Manfred Faßler verwandt, der in Frankfurt am Main den Lehrstuhl für Kulturanthropologie des Medialen inne hat.

Eingang. In seinem Buch "Der infogene Mensche" wird die Grundsätzliche Charakteristik des Menschen Unterschiede zu erzeugen, zu erhalten und weiterzugeben, sowie Unterscheidungen zu machen dargestellt. Ausgangspunkt dazu ist eine konstruktivistische Sichtweise, die beim Denken des Menschen ansetzt. Physiologisch gesprochen geht es um das Gehirn, dessen Neurofunktionalität und epigenetischer Veränderungs- und Anpassungsmöglichkeiten. Was ist Denken, und was resultiert daraus?

Information. Um Energie- und Datenströme beschreiben zu können bedient sich Faßler des Begriffs Information. Dieser beschreibt den kleinst möglichen Unterschied. "Rot" ist bspw. eine Information i.d.S. es sich von "grün" oder anderen Farben trennt. Man muss dabei davon ausgehen, dass sich das gesamte menschliche Symbolsystem auf Unterschiede bezieht. "Stuhl" ist einer Unterscheidungsleistung des Menschen, der sich nicht nur begrifflich vom Tisch trennt, sondern auch selektive Inhalte liefert: Sitzen, Hocken, etc. Wenn Menschen beobachten, ihre Umwelt, ihre Mitmenschen entwerfen sie. Beobachtung ist ein Entwurf im Gehirn des Menschen. Die Beobachtung der Natur führt demnach nicht zu einer Beschreibung der Natur (als ob diese "wahrheitlich" beschrieben werden kann), sondern erstellt einen Entwurf dieser Natur im Gehirn. Man sollte dabei nicht dazu geneigt diesen Entwurf als Projektion oder Abbild zu verstehen. Der Entwurf im Kopf des Menschen hat mit dem Außen per se nichts zu tun. Informationen sind letztlich ausgewählte und wahrgenommene Daten - wahrgenommene Unterschiede, die als Entwurf im Gehirn des Menschen zwischengespeichert werden. Damit ist gesagt, dass


  1. keine Wahrheit über irgendetwas beschreibend formuliert werden kann.
  1. etwas, das als Wahrheit oder Natürlichkeit beschrieben wird, nichts anderes als der Entwurf der Beobachtung ist. Dieser kann durch Wiederholung und Häufigkeit als Typologie manifestiert werden, und somit als Standard in gewissen Kontexten gehändelt werden.
  1. eine Natürlichkeit der Dinge existiert damit genauso wenig die Selbstverständlichkeit von Umständen. Es sind Entwürfe des Denkens, die es in gewisse Modelle der Tradierung geschafft haben um somit für mehrere Menschen kommunizierbar zu sein.
  1. Die Welt, wie wir sie kennen, ist vollständig von uns gemacht. Es gibt nur Unterschiede die von Menschen gesetzt wurden, und Unterscheidungen, die von Menschen als Tradition/Symbol/Erzählung weitergegeben werden.
  1. Die Natürlichkeit der Dinge ist die gedachte Natürlichkeit von Daten und Informationen.
  1. Welt ist ein Gestaltungsmonopol des Menschen/der Menschheit, welche sie Kontexte entwirft und darin lebt.
  1. Hieraus ist keine Negierung an des Menschen "Menschlichkeit" zu sehen. Dies ist der (normativ) positivste Ansatz für menschliches Handeln und Leben. Menschen haben die Pflicht, Aufgabe, Freude und Notwendigkeit ihre Welt zu machen.



Außen und Innen. Francesco Varela sagte in einem Vortrag "my perception is there, outside" (Faßler (2008): Der infogene Mensch. S.129). Außen beschreibt ein Außen des menschlichen Körpers, und damit seines Gehirns. Es wird für den Menschen nutzbar, in dem er es in informationelle Modelle verpackt (Information = Unterschiede) und somit kognitiv anwenden kann.
Wahrnehmung und Denken entstehe und bewege sich im Außen, in dem erfundenen Raum der Realität, auf den (Raum) und auf die (Realität) wir Menschen uns beziehen müssen, um sinnlich denkend zu leben. Dieser Bezug gelingt durch informationelle Modelle. Der Blick in das Innerste der Dinge, der Welt, des Gegenübers ist ein Blick in ein gedachtes Außen. Das Gehirn (my perception) wird zum schaffenden Naturprinzip, das zugleich in jeder Schaltung (Idee, Empfindung, Assoziation) von der Zufuhr kognitiver Rohstoffe (Information) abhängig ist.[...] Folgerung ist schlüssig: die Muster, die sich im Gehirn entwickeln, sind keine Repräsentation von Außenwelt. Sie entstehen als "im Subjekt definierte Antwortmuster zu Außenreizen"  als "Interne Repräsentation" [(Breidbach: 3 & 13)]. Diese "Interne Repräsentation" birgt keineswegs beliebige Freiheit. Sie ist Regie und Regime des Außen, aber nicht direkt, nicht formsetzend. Die Regie erfolgt über Informationen, d.h. über Reizaufnahme, Reizselektions- und Abspeicherungsfunktionen, über die neurophysiologische Bereitstellung formfähiger Informationen. Information ist "das, was wir von der Welt zu wissen scheinen" (13)." (ebd. S.130)
 Was ergibt sich darauf für eine Anthropologie?

Künstlichkeit. Hieraus sollte klar werden, was im Grunde mit Künstlichkeit gemeint ist. In Diskussionen um die "Virtualität von Internet" betonte ich immer wieder, dass das Internet nicht "mehr virtuell" sei, als unsere Realität. Eine klare begriffliche Ausdifferenzierung in virtuelle und reale Welten ist i.d.S. nicht möglich. Aus dem oben skizzierten Ansatz muss folgen, dass Menschen sich künstliche Welten schaffen, um darin und dadurch überleben zu können. Künstliche Welten zeichnen sich indes nicht dadurch aus, dass sie nur im Internet vorkommen. Gesellschaft, Alltag - der Gang zum Bäcker, der Einkauf, das Gespräch - sind Produkte informationellen, d.h. selektiv auswählenden, entwerfend beobachtenden Denkens und damit Künstlichkeiten. 
"Biologisch gesprochen ist die Simulation der Umwelt in der virtuellen Realität charakteristisch für das Überleben der Menschheit. Sie ist der Grund dafür, dass es Menschen gibt. Die ökologische Nische, die Menschen besetzen, hängt genauso unmittelbar und absolut von der virtuellen Realität ab, wie die der Koalabären von den Eukalyptusbäumen." (Deutsch 1996: 136)
Zunächst sollten wir festhalten, dass an dem Begriff Information mehr zu hängen scheint als bisweilen angenommen. Dass Information schon seitdem es Menschen gibt das wesentliche Parameter zur Gestaltung menschlichen Lebens ist. Und dieses menschliche Leben scheint als Künstlichkeit - oder wie von Deutsch formuliert: Simulation - der Kontext menschlicher Selbstorganisation zu sein. In den weiteren Texten sollen diese sehr groben Gedankengänge sukzessive vertieft werden.

Kulturanthropologie des Medialen - ein Manifest

Kulturanthropologie des Medialen - sie bildet eine Grundlage für das neue Aufrollen von längst eingestaubten Themen unseres Alltags. Prof. Dr. Manfred Faßler beschreibt in seinem Manifest ein Arbeitsprogramm, dass sich inhaltlich auch auf unsere Thematik übertragen lässt. Als Musiker und Kulturanthropologe ist es daher eine Aufgabe die koevolutionäre Anthropologie nach Faßler auch auf Programme ästhetischer Akustik zu übertragen.

Aus dem Text:

"Entgegen dieser überholten disziplinären Teilung bezieht sich der am  Frankfurter 
Institut entwickelte Ansatz der Anthropologie des Medialen

(1.) auf eine Entwicklungslehre des Abstrakten, die N. ELIAS in seinem Essay 
„Über die Zeit“ einforderte, und die die Felder der Neurophysiologie, der Kognitionsforschung und der Erforschung der  (formalen, visuellen, abduktiven / 
deduktiven / induktiven) Logiken von Abstraktionssystemen berücksichtigt,  
(2.) auf eine hinreichend komplexe Methodik für die Erforschung der medialen 
(schriftlichen, bildlichen, akustischen, multisensorischen, multimedialen) 
Selbstbefähigungen des Menschen,  
(3.) auf die immer  detaillierter ausgelegten sozio-technischen Systeme, die 
längst nicht mehr mechanisch dominieren, keiner Archäologie zuzuordnen, 
sondern digital im Nano- oder Astrobereich präsent sind, und  
(4.) auf die  Mediamorphosis (R. FIDLER) kommunikativer Felder, kurzzeitiger 
Lokalisierungen und Regionalisierungen, ´flüchtiger´ kultureller Zusammenhänge, netzintegrierter Communities of Projects (M. FAßLER)  oder medialer 
„neuer Intelligenz“ (S. JOHNSON).   

Die mit diesen vier Feldern einhergehende Forschungsprogrammatik richtet sich an 
Fragestellungen des 21. Jahrhunderts aus. Sie muss selbstverständlich natur-, technik- und computerwissenschaftliche Forschungen integrieren. Der Rahmen, in dem 
dies geschieht und geschehen wird, ist:  Koevolutionäre Anthropologie."

Dienstag, 4. September 2012

Die Frage nach der Avantgarde

In diesem Post möchten wir auf einen Text hinweisen, der einen spannendes Theorienmodell der ästhetischen Moderne entwirft: Harry Lehmann "Avantgarde heute". Angesichts der neuesten Entwicklungen in der Wirtschaft und Politik (europäische und globale Krise) und den damit einhergehenden Fragen nach gerechten, sozialen Strukturen und Veränderungen (siehe z.B. der Arabische Frühling, die Occupy-Bewegung, Anonymous und die Piraten), gewinnt der Text und sein utopischer Kern eine Aktualität, die nicht sporadisch, modisch oder trendig ist, sondern wie zu hoffen, hiermit ein Modell anreißt, das einer Wende in unseren derzeitigen wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Systemen entspricht, die auch die Kunst und damit Musik verändern wird. Die Idee einer Reflexiven Moderne erscheint uns sehr vielversprechend und Anzeichen dafür sind in den verschiedensten Bereichen der Kunst zu finden. Und die Frage:
 "Was also wäre das Unruhepotential an der Frage nach der Avantgarde heute?"
 kann ruhig auch politisch verstanden werden, denn Avantgarde ist immer eine Umwertung aller Werte.

Hallo Welt!

Herzlich Willkommen zu unserem Blog Filterrauschen! Wir sind ein interdisziplinäres Team und Netzwerk mit Fokus auf Musik. In regelmäßigen Abständen wollen wir hier Beiträge, Links und weitere Materialien bloggen, die sich mit aktuellen Entwicklungen in der Musik beschäftigen. Die Redaktion dieses Forums übernehmen Dennis Eckhardt und Stefan Lischewski. Dennis ist Kulturanthropologe und Stefan Komponist. Uns interessieren Wandel, Veränderungen, Prozesse, Dynamiken, Unübersichtlichkeiten, Umdeutungen, Verschiebungen, Herauslösungen und Ablösungen von Musik und Gesellschaft. Wir freuen uns auf euer Feedback.