Sonntag, 20. Januar 2013

Schneesturm im Glas

Ein subjektiver Höreindruck:

Gestern Abend fand im Rahmen des Ultraschall Festivals das 212. Konzert Musik der Gegenwart im Rundfunkhaus des RBB statt. Der Untertitel: Kunst als Modell des emotionalen Begreifens. Dr. Margarete Zander hatte eingeladen und moderierte das Ganze.

Das DSO Berlin spielte unter Brad Lubman und sie spielten sehr gut. Und es hat sich wieder gezeigt, was für ein Zauber von einer derartigen Institution ausgehen kann. Beeindruckend zeigte Orchester und Dirigent, wie eine arbeitsteilige Kooperation von mehr als 60 einzelnen Individuuen sich glücklich zusammenfügen kann (Ich finde das immer wieder aufs Neue spannend und beispielhaft für so ziemlich alle anderen zwischenmenschlichen Bereich wie Arbeit, Politik etc.) Es wäre schade, sollten derartige Veranstaltungen völlig aus unserem Kulturkalender verschwinden: Ich würde sie vermissen.

Doch zurück zum Programm: 

Der Abend begann mit Contreband (On Comparative Meteorology II) für Orchester vom Österreicher Johannes Maria Staud 2010 geschrieben. Das Werk war sehr kurzweilig und bunt. Eine Reihe von zwölf Miniaturen inspiriert durch Texte von dem mir bisher unbekannten Bruno Schulz plus eine weitere 13. Versteckte, die wohl gleichzeitig über Lautsprecher eingespielt wurde. Die Gliederung in zwölf Teile ließ sich beim Hören nicht sofort erschließen, aber das scheint mir kein Manko zu sein. Die Orchestrierung war sehr farbig - an einigen Stellen gingen jedoch Raffinessen und Effekte im Gesamtklang unter. Das Stück hat seine Stärken in der charakteristischen und abwechselnden Form- und Motivbildung und Instrumentierung: Moderner Orchesterzauber, der glücklich macht.

Das zweite Werk des Abends war von Michael Jarrell, dem Lehrer Stauds. Das Stück Sillages - Congruences II ist von 2005 für Bläsertrio und Orchester geschrieben und eine Überarbeitung / Erweiterung eines älteren Werkes Jarells. Hier gab es wunderschön getupfte Piano-Stellen. Gleichwohl sich die große Konzertform erschloß, blieb das Werk im Gegensatz zu Stauds ziemlich amorph. Die Plastizität war aufgegeben für ein schwebendes und wie eine Heckwelle (Sillage) sich ziehendes Klangband.

Das schwächste Stück des Abends war Georg Friedrich Haas' Stück für Streichorchester aus den Neunzigern. Das Ganze war mir etwas zu langweilig und zu zweidimensional: hauptsächlich Battuto-Cluster und langgezogene Pedalharmonien. Der Mozartbezug kann weitestgehend vernachlässigt werden.

Den Abschluß bildete Chaya Czernowins The Quiet für drei Orchestergruppen von 2010. Eine leider viel zu kurze Crescendo-Studie. Nach dem leisen Beginn aus jeder Menge differenzierter Geräusche steigert sich das Stück zu einem Schneesturm aus Harmonien und Klängen und bricht bei Erreichen der Peripetie ab. Wunderschön instrumentiert ist diese Entwicklung. Die drei Orchestergruppen waren nicht deutlich genug voneinander getrennt, ich habe nur zwei gefunden und gehört - ein Aufstellungsfehler? Zumindest eine Coda habe ich vermißt: das Stück hörte auf und ich habe mehr erwartet, das Crescendo als Form dann doch etwas zu simpel - schade.

Frau Zander führte durch den Abend, interviewte die drei anwesenden Komponisten (Staud, Jarrell und Czernowin) sowie den Dirigenten. Das machte insofern Sinn, das recht umfangreiche Umbauten überbrückt werden mußten. Doch die Gespräche waren nicht so sehr erhellend, eher banal, belanglos und anekdotenhaft. Ans Eingemachte ging es nicht. Dem Titel wurde der Abend nicht gerecht. Die Programmauswahl wirkte etwas angestaubt - Stichwort: Gegenwart 2013.

Fazit:
 
Das Orchester und der Dirigent waren toll. Die stärksten Stücke des Abends, waren für mich Stauds Contrebande und Czernowins The Quiet . Auf den Rest, einschließlich der Frau Zander, hätte ich verzichten können.

Programm








Samstag, 19. Januar 2013

Macaulay - Tiere zum Hören



Das Cornell Lab of Ornithology hat einen umfangreichen Katalog ins Netz gestellt. Hier können um die 150.000 Soundfiles und Videos mit Tierklängen und -geräuschen angehört werden. Der größte Teil des Katalogs wird von Vögeln bestritten, aber auch andere Tiergruppen sind vertreten.

Dienstag, 15. Januar 2013

Reaktion auf die Mozart-Maschine

Wie so oft zu lesen, geht es in Artikeln über computisierte Musik um Kreativität oder die Frage nach dem Menschen. Woran unterscheidet man menschlich gemachte Musik von computisierter Musik? Kann ein Computer kreativ sein? Kann ein Computer Wärme in Form von musikalisch evozierter Emotionalität erzeugen?

In dem Artikel "die Mozart-Maschine" werden genau diese Fragen aufgeworfen (siehe vorangegangenen Post, oder den Artikel hier). Es ist hoch interessant, dass es einen Computer gibt, der komponieren kann (was genau man darunter nun auch verstehe), und dessen komponierte Musik auch aufführbar ist. Ich denke aber, dass die oben erwähnten Fragen falsch gestellt sind. Sie erlauben es nicht ernsthaft über diese Form des Komponierens zu diskutieren. Die Fragen erlauben es lediglich den alten Dualismus Mensch und Maschine aufrechtzuerhalten.

Ich gehe hier einen anderen Weg (wie zu erwarten). Und mache das Schritt für Schritt.

1. Ich gehe von einer kopplungsregulativen konstruktivistischen Welt aus. D.h. Es gibt wohl eine Wirklichkeit da draußen, diese steht allerdings außerhalb unserer erfahrbaren Welt. Unsere Erfahrungen basieren auf Kopplungen, struktureller, sozialer, medialer Art. Kopplungen sind rekursive, änderungssensitive und formunvollendete Wechselwirkungen, die auf "Dauer" gesetzt werden können.
2. Damit ist alles das, was wir Welt nennen, oder darunter verstehen, ein Produkt kopplungsstrategischer und neurofunktionaler Informationen. Informationen sind alle Künstlichkeiten, die unser Gehirn im Stande ist in Kopplung mit dem Rest außerhalb des Gehirns zu schaffen.
3. Damit ist gesagt: wenn ich Musik höre, nehme ich i.d.S. keine Musik auf. Das Gehirn verarbeitet neuronale Reize (die aus den Kopplungen entstehen) und verarbeitet sie zu etwas, das man Musik nennen kann (sofern man bspw. Bach als Musik erlernt hat (Kopplung), und durch Kohärenzabgleiche ihn wiedererkennen zu versucht).
4. Musik ist damit grundlegend künstlich. Alles was Menschen tun und denken ist künstlich. Es sind alles Produkte unseres Gehirns, dass die Rekursionen der Kopplungen umsetzt. Sobald Menschen etwas denken, und dies anwenden ist es künstlich. Alles was natürlich ist, ist außerhalb der menschlichen Wahrnehmung. Die Natur, die Welt der "natürlichen Schönheit", ist eine Welt, die der Mensch niemals erreichen kann. Rein biologisch und neurophysiologisch ist dies nachweislich daran festzuhalten, dass es im menschlichen Körper keinerlei biologische Funktionsmechanismen gibt, die etwas Vermitteltes unbearbeitet aufnehmen könnten.

Was heißt dies für die Diskussion der Mozart-Maschine?

1. Diese Mozart-Maschine, oder besser: dieser Computer, ist in erster Linie ein Produkt menschlicher Denk- und Anwendungsleistungen. Er ist selbstverständlich künstlich. Er ist allerdings nicht dualistisch dem Menschen gegenüberstehend. Nichts, was Menschen schaffen, kann ihnen zum Gegner sein (eine andere Diskussion ist, was Menschen mit Maschinen zum Gegner sein tun).
2. Damit ist auch die Musik rein künstlich, und nicht weniger menschlich-künstlich als der Computer.

Die Diskussion müsste also den Computer als Form des Komponierens ernst nehmen, da er im Grunde nichts anderes darstellt, als menschliches komponieren. Sicherlich, dies ist die provokative Umkehrung der bisherigen Argumente. Ich sehe aber keinen Sinn darin, etwas zu verteufeln, was der Mensch geschaffen hat. Reaktionäre Künstler und Musiker, die in der computisierten Musik das Ende der Menschlichkeit sehen, müssen eingestehen, dass es im 21. Jahrhundert immer noch menschliches und menschheitliches Leben gibt (trotz aller Digitalisierungen etc.).

Der Computer ist keine Negation des Menschen, sondern dessen Bestätigung. Die Simulation der Welt, ist die biologische Nische der Menschheit (vgl. David Deutsch).


Die oben gestellten Fragen könnten also mit diesem Hintergrund wie folgt beantwortet werden:
Woran unterscheidet man menschlich gemachte Musik von computisierter Musik?
Warum sollte man daran einen Unterschied erkennen? Da der Computer ein menschliches Produkt ist, ist diese Frage sinnlos. Das Gleiche gilt für Musik. Streng genommen gibt es theoretisch keinen Unterschied darin, durch welche Form der Imagination Musik entsteht: durch das menschliche Gehirn oder durch das menschliche Gehirn. Denn sowohl die handschriftlich verfasste Musik als auch die computisierte Musik entspringen beide der selben Quelle.
Kann ein Computer kreativ sein?
Selbstverständlich. Im oben postulierten Post-Humanismus wäre es unlogisch zu behaupten, dass Kreativität eine rein menschliche Fähigkeit wäre. Selbst der Mensch ist im Stande Maschinen zu generieren, die auf ihre programmierte Weise Kreativität erzeugen. Kreativität ist letztlich nichts anderes als ein variationsreicher und variierender Prozess der Neuordnung von Informationen (deren Koordinierung, Genese, Kopplung). Nachweislich kann gefunden werden, dass das menschliche Gehirn nicht zu der oft postulierten unendlichen Kreativität des Denkens im Stande ist. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Denken Sie sich bitte eine neue Farbe aus. Das sollte Probleme verursachen.
Kann ein Computer Wärme in Form von musikalisch evozierter Emotionalität erzeugen?
Es sollte langsam ersichtlich werden, wie weit es mit den humanistischen Idealen tatsächlich her ist. Rein logisch gibt es nichts daran auszusetzen, dass folgende Kette funktioniert:

Mensch - Künstlichkeit (Denken) - Künstlichkeit (Computer) - Künstlichkeit (Musik) - Künstlichkeit (narrative Emotion) - ....

Viele Menschen fühlen sich meist von computisierter Musik erst dann nicht erwärmt, wenn sie um deren Genese wissen. Das entscheidende Moment ist dabei das Programm der Narration, dass Normativitäten indirekt nach der funktionalen Erfahrung auf diese auferlegt. Aber das ist ein anderes Thema.

Also:
- Welche Chancen sind dem computisierten Komponieren abzugewinnen?
- Warum sollte der Computer nicht als Instrument anerkannt werden?
- Inwieweit ist der Komponist eine humanistische Größe, die es zu erhalten gilt?
- Inwiefern sollten ausgebildete Musiker das einzige Aufführungs- und Geneserecht von Musik haben?
- Warum sollte es sinnvoll sein, von der "Hoheit kulturell erbaulicher Musik" auszugehen?

Das alles, und noch viel mehr....

Die Mozart-Maschine

Heute fand ich in der taz einen interessanten Artikel:

Hier der Link zum Artikel.

Zitat:
"Seit 2010 komponiert „Iamus“ Kammermusik. Nichts Besonderes? Doch. Der Künstler ist ein Hochleistungscomputer.

[...] Das System, mit dem der Hochleistungsrechner arbeitet, heißtMelomics und basiert auf einem speziellen Algorithmus. So entstehen immer wieder neue Melodien, sogenannte „Mels“. Der digitale Komponist basiere auf der Bionik (Übertragung der Phänomene der Natur auf die Technik), sagt der Computer-Wissenschaftler Francisco Vico: „Iamus ist das Ergebnis der Verbindung von der Evolutionstheorie, Entwicklungsprozessen und den formalen Regeln der zeitgenössischen Musik. Diese Kombination der Teildisziplinen ist der Hauptgrund, dass Iamus Musik nicht kopiert, sondern eigene Stücke komponiert und seinen eigenen Stil schafft.“

[...] Vico und sein Forscherteam treiben fernab der Diskussion nun die Entwicklung an der Universität Málaga weiter voran. Das nächste Projekt ist Melomics109, ein Computer, der Musik entwickelt, die für jedermann zugänglich sein soll. Vico sieht darin einen großen Vorteil: „Jeder wäre in der Lage, seine eigene lizenzfreie Musik im Internet zu kaufen und zu besitzen.“ In Deutschland wäre das eine Alternative zur von der GEMA lizensierten Musik.

[...] Sind Computer-Kompositionen kreativ? Emotionen oder Persönlichkeit kann eine Maschine – bis jetzt – nicht entwickeln. Ein Problem, das Violinensolist Commander Data zur Genüge kannte. "




Samstag, 12. Januar 2013

Der lange Weg aufwärts

Hier eine extrem lange Version unseres Headbanners für aufgeschlossene und sehr geduldige Hörer:



und nochmal das Original:



so-klingt-unser-headbanner
Unser Headbanner besteht aus zwei Visualisierungen erstellt mit Sonic Visualiser. Die Audiodatei genannt Pelog, die dafür verwendet wurde, ist ein aus Klaviersamples konstruierte aufsteigende Skale, die die Oktave in fünf gleichgroße Intervalle unterteilt.

Komprimiertes Headbanner

Unser Headbanner für den zeitlich limitierten Hörer:


Und hier nochmal im Original:



Unser Headbanner besteht aus zwei Visualisierungen erstellt mit Sonic Visualiser. Die Audiodatei genannt Pelog, die dafür verwendet wurde, ist ein aus Klaviersamples konstruierte aufsteigende Skale, die die Oktave in fünf gleichgroße Intervalle unterteilt.