Samstag, 30. März 2013

Die Infogenese des Akustischen - Skizze 1

In anderen Beiträgen habe ich bereits mehrfach auf die Konzepte der Frankfurter Anthropologie des Medialen (Faßler) und der Kopplungstheorie (Maturana/Varela) verwiesen. In diesem Beitrag möchte ich das Konzept der Infogenese auf Musik/das Akustische übertragen.

Das Akustische verstehe ich als Information. Information bezieht sich immer auf einen Menschen, der Informationen entwirft. Information ist kein unstofflicher Strom, der durch die Luft schwebt und uns in einer Flut zu erdrücken droht, sondern eine Tätigkeit des Menschen: seines Körpers (dabei ist Gehirn immer mitgerechnet), und seiner menschlichen Organisationale. Mit diesem begriff bezeichne ich die organisierenden und organisierten Teile eines Menschen, die ihn erst zu einem Menschen machen. Dies bezieht strukturelle Organisationale (Bakterien im Körper, Menschen der Umgebung), sowie informationelle Organisationale (Medien, Technik) mit ein. Mit diesen wenigen Sätzen wird den gegenwärtigen gängigen Theorien zu Dualismus (ich nutze Medien, als mir fremdartige Strukturen) und Dialektik (ich nutze sie für einen bestimmten Zweck und nehme dafür Nachteiliges in Kauf, solange der Zweck effizient erfüllt wird) widersprochen. Für näheres zu dieser Theorie schaue man sich die weiteren Beiträge auf diesem Blog an.

Aus diesem Verständnis heraus sei noch zu erklären, was Information genauer ist: Sie wird als Entwurf des Menschen verstanden, der in einer Tätigkeit aus Unterschieden (standartisierte und erfahrene Daten) mehrdeutige Unterscheidungen erzeugt. Information ist maßgeblich die selektive Variation dessen, was ein Mensch als Wissen erfahren hat.

Der Begriff Infogenese beschreibt den Vorgang dieses Informationsentwurfs: Er wird hier durch Kopplungen, die ein Mensch zu seiner Organisation eingeht, beschrieben. Es sind also informationelle Kopplungen, da sie weder stofflich noch energetisch sind. Anders ausgedrückt: Was ein Mensch als Information entwirft ist Ausdruck seiner Erfahrung. Diese Erfahrung ist das Produkt von informationellen Kopplungsprozessen. (Damit ist gleichzeitig eine Zirkularität beschrieben: Information-Kopplung-Erfahrung-Information-... Es ist nicht möglich einen Start und/oder Zielpunkt festzulegen. Diese sind auch nur in einer dualistischen Theorie nötig).

Für das Akustische bedeutet dies, dass Musik immer Ausdruck erfahrener Daten ist. Jemand der sein lebenlang nur Bach und Händel erfahren und entworfen hat, wird Rammstein nicht als Musik benennen (oder vice versa). Musik ist demnach wesentlich nichts autoritär Universelles, sondern immer das vorhandene Wissen eines Menschen (damit wird ebenfalls den gängigen Theorien zu Musik in nur zwei Sätzen widersprochen. Man führe sich die Dimensionen dessen vor Augen).

Musik ist: abstrahiertes Wissen (komplex assozierte Unterscheidungen auf Basis großer Häufigkeit der Erfahrung). Damit ergibt sich eine erste grobe Darstellung:
Es gelten hier keine Konzepte von Sender, Empfänger, Hörer, Empfinder, Autor oder sonst dergleichen. Im Mittelpunkt steht ein infogener Mensch, der also fähig ist Information zu entwerfen und weiterzuverarbeiten.

Der Pfeil von Akustisches zu Mensch zeigt den oben skizzierten Prozess der informationellen Kopplung an. Der zweite Pfeil von Mensch zu Musik zeigt den Vorgang der Wissensproduktion an (die oben angesprochene Zirkularität habe ich hier zur bessern Veranschaulichung vernachlässigt).

Es bleiben natürlich noch viele Fragen offen:
- Was genau ist das Akustische, wie sehen die Daten/-mengen dessen aus?
- Wie genau erfolgen diese Kopplungen? Prozesse des Hörens, neurologischen Verarbeitens, etc?
- Wie gelangt ein selektiver Entwurf von Wissen: Musik zu absoluter linearer Hoheit?
- Sprechen viele Prozesse des musizierens heute nicht gerade für dieses Modell, und für die Vernachlässigung von bisherigen Modellen?

In den nächsten Beiträgen wird auch dies weiter vertieft.

Mittwoch, 20. März 2013

ein neuer Blog!

Ich erlaube mir einmal auf dieser Seite auf einen anderen neuen Blog von mir zu verweisen. Er nennt sich anthromaps und macht sich zur Aufgabe die erfahrene Welt zu kartographieren. Ein Blick lohnt auf jeden fall, auch wenn der Blog jetzt noch nicht übervoll ist!



Mittwoch, 6. März 2013

Graphische Partitur

Hier ein nicht mehr ganz neues  Beispiel für eine funktionale Graphik erstellt in PD (pure data):

Hans Christoph Steiner: Solitude

File:Solitude.png

Das Partitur ist komplett in PD mittels graphical data structures erstellt worden, und kontrolliert alle Klangaspekte die generiert werden.

Und hier gehts zur Seite mit der Partitur als pdf detaillierte Beschreibung in Englisch und dem Stück als mp3 und weiteren interessanten Links:

Und hier noch ein halbstündiger Vortrag zu seinem Werk auf dem Xenakis Symposium:
Xenakis Symposium: Hans-Christoph Steiner from BXMC2 on Vimeo.