Sonntag, 30. Juni 2013

das KO der Musik

In den üblichen Debatten um Musik, Technik. Umwelt, Mensch (warum kleinstapeln?) liegt der Tenor der Diskussionen meist auf dem lange gepflegten EX - es stammt aus alter dualistischer Tradition, wonach etwas nur zu dem Menschen gehörig sein kann, oder von ihm produziert worden sein kann, wenn es zuvor ihm fremd war. Man sollte sich dieses grundlegende Verständnis des (allgegenwärtigen) Dualismus vor Augen führen, und immer ernst nehmen. Wir begegnen einem (konfliktstiftenden) Dualismus ständig in unserem Alltag und sollten ihn wirklich vermeiden.

Wieso?
Von Ich-Fremdes, Musik-Natur, Kultur-Natur, etc. kann alles was auf "der anderen Seite" steht nur durch ein EX herangeholt werden. Man spricht dann von Exterriorisierungen, oder Externalisierungen um zuvor dem eigentlichen Menschen Fremdes für ihn greifbar zu machen. Es handelt sich dabei um einen alten und lange gepflegten Trick, Fremdes nicht zu akzeptieren und dennoch zu nutzen. Woher diese Idee kommt, kann man nur mutmaßen. Wahrscheinlich ist es ein Konglomerat aus kapitalistischer Effizienz dualistischer Systeme, Simplifizierungsbesessenen Politikern/Religioten/etc. und der einfachen Alltagsfolge eines jeden Menschen, der ungeachtet theoretischer und systemischer Hintergründe nur durch seinen Tag kommen will.

Der entscheidende Knackpunkt, wieso ich von dualistischen Konzepten ablenken will, ist ihr vorprogrammiertes Konfliktpotenzial. Wir wissen bspw. vom Kapitalismus, dass er nur mit Krisen funktioniert. Da auch er im Kleinsten wie im Größten dualistisch aufgebaut ist, könnte auf die Hintergrundidee verwiesen werden.

Wieso sollte bspw. die Idee, dass sich Menschen durch Techniknutzung erweitern, ohne diese jedoch jemals als dem Menschen intrinsisch zugehörig zu sehen, schlüssiger sein, als die Idee, dass sich Menschen durch Technik (nicht erst die Nutzung!) organisieren. In der ersten Idee sind unglaublich viele Konfliktpotenziale vorhanden:
- Techniknutzung missachtet den Fakt der Beeinflussung von Technik auf Menschen, ohne diese zu nutzen. Es existieren (auch wissenschaftlich belegbare) Indizien für informationelle Wirkungsweisen, die ohne physische Nutzung funktionieren. Der Blick bleibt sonst an den Händen kleben, und kann über die genutzte Technik nicht hinaussehen.
- Der grundlegende Konflikt Mensch-Technik entlädt sich immer wieder aufs Neue, und bringt die seltsamsten Blüten hervor. Was zuvor als Erweiterung betrachtet wurde schafft nun Elend und Chaos (man denke an sämtliche Science-Fiction-Filme wie IRobot, in der die Technik plötzlich die Oberhand über die eigentliche Menschheit gewinnt).

Diese Konflikte sind vermeidbar, wenn wir einen Konstruktivismus annehmen! Ich denke nicht, dass der Konstruktivismus das Allheilmittel unserer Gegenwart ist - aber er ist die erste Alternative, die sich Menschen erdacht haben - seit der Dialektik!

Dann verständigen wir uns auf die KO-Elemente, die sich konstruktivistisch finden lassen: Kooperation, Koordination, Kollaboration, Koevolution. Instrumente werden dann nicht als dem Menschen fremd betrachtet, sondern als Teile seiner Organisation. Ein Mensch, der sich als Musiker bezeichnet, ist nur mit dem Instrument und seinem Musikmachen beschreibbar.
Es ist selbstverständlich, dass Menschen Techniken schaffen und darauf ihre "erdachte Welten" produzieren, diese beleben und in ihnen sich bewegen. Es ist selbstverständlich, da es Menschen seit weit über 40.000 Jahren tun (auch wenn wir nicht wissen wieso).

Dieser Selbstverständlichkeit dürfen wir nicht mit Argumenten der Fremde, der Aversion begegnen. Sie sind letztlich unmenschlich, da sie nicht beachten, dass Menschen nun mal die Spezialisten der Virtualität sind. Musik ist nichts anderes als Virtualität - und diese entsteht kooperativ (mit anderen Menschen), koordiniert (gelernt, abgerufen, mit Symbolen/Materialien), also: koevolutionär.

Das KO der Musik muss uns also dahin bringen, Musik als Künstlichkeit zu betrachten, und nicht als Maxime der Menschheit. Instrumente als materialisierte Künstlichkeiten, die in Kasuistik stehen können. Viel wichtiger: Die Universalität von Virtualität anerkennen: Die Denke von Menschen ist das Entscheidende was formt.

Der Unterschied vom EX zum KO ist ein Schritt, der in der Musik erst sehr spät erfolgt. In der Biologie spricht man nur noch von Epigenetik, in der Physik werden Synergien untersucht - Warum nicht auch in der Musik?
Weil wir dazu eine andere Denkrichtung benötigen!
Es liegt an den grundlegenden Logiken mit denen wir arbeiten: Lasst ab von Dualismus und Dialektik. Sie hatten lange genug Zeit sich zu bewähren!

Freitag, 21. Juni 2013

Anmerkung

Hier die Anmerkung zum ersten Teil unseres Vortrags in Schriftform:

ich denke wir müssen noch klarer machen, dass wir nicht von einer postmoderne oder posthistoire reden

sondern von einer emanzipation, die sich trotzdem in der zeit entfaltet

das ist  nicht gleichbedeutend mit dem trivialen schluß: jeder ist künstler, sondern dass hier die chance zu einer vielfältigen differenzierung vorliegt
jeder kann musik machen, aber es wird unterschiedliche ausprägungen geben
eben nicht mehr bloß eine trennung zwischen professionell und nicht-professionell
geschweige denn den anderen trennungen wie u oder e

sondern mit den heutigen möglichkeiten kann jeder selber explorieren wie, wohin und was er machen möchte

ich denke interaktivität wird ein starkes thema bleiben, nur unter veränderten vorzeichen
wir erkennen, dass vieles schon immer interaktiv war oder eben ein kopplungsgeschehen
aber wir werden versuchen mehr formen von interaktivität einzubeziehen
der einwand gegen das anything goes ist nicht valid, da das schon immer der fall war (innerhalb der jeweiligen gültigen syntaktischen systeme oder moden)
wie und mit welchem ton oder instrument fange ich an?
und wie geht es weiter, das war schon immer irrationale sinnstiftung durch selektive und selektierte Rationalität
denn eigentlich setzen wir immer die Prämisse das als-ob, eben des als ob es sinn machen würde
am ende fällt die heraus und ein weiteres stück musik ist entstanden
es ist doch völlig willkürlich und amit unwichtig welchen algorithmus oder bezug wir herstellen oder auswählen, wichtig ist das ergebnis, das aber auch wieder nur vorläufig ist, nichts was für die ewigkeit hält, das wie ist nur ein teil des was und doch ist es heute wichtig das wie zu betonen und offenzulegen, so dass jeder daran teilhaben kann, das irrationale und fantastische der produktion sehen und hören kann
das sakrale der kunstwerke, die unantastbarkeit und zeitlosigkeit, ist nur eine erscheinung, an der wir uns viel zu lange festgebissen haben
gesellschaft wird sich verändern oder etwas anderes werden, wünschenswert ist hier die schaffung eines möglichkeitsraumes der alle spielarten und nuancen zulässt und nicht gängelt, abwertet, stigmatisiert oder gar tabuisiert, sondern freien zugang für alle (unabhängig von alter, geschlecht, abstammung und sozialisation) zu den entsprechenden resourcen gewährt.


Sonntag, 9. Juni 2013

Filterrauschen Vortrag als Video

Nach unserem Vortrag an der Humboldt-Universität haben wir die Aufnahme unseres Vortrags hier als Video verpackt. Passend zu dem Gesagten gibt es die Folien aus der Präsentation, bzw. Screenshots aus dem Netz. Wer den ersten Teil nochmal durchlesen will, kann dies gerne hier tun.

Ansonsten viel Freude bei mithören und mitdenken.