Donnerstag, 19. September 2013

Moles über den Tod der Kunst

"Überall hat man den Tod der Kunst verkündet.  Dieses aufsehenerregende Schlagwort begeisterte ein Publikum, das desorientiert war durch die moderne Kunst, mystifiziert durch den Salon der Leere und das Geräuschkonzert, und das ohne Führer und Kompass im Ozean der 'Ismen' trieb,  vom Realismus zum Surrealismus,  vom Konstruktivismus zum Tachismus, vom Primitivismus zum Konfusionismus,  vom Geometrismus zum Mobilismus,  vom Lettrismus zum Ultra-Lettrismus.  Der Gedanke, die Kunst sei tot,  begeisterte auch etliche masochistische Künstler, denen er das Gefühl gab, eine Götterdämmerung zu erleben. " Abraham A. Moles in Kunst & Computer

Mittwoch, 18. September 2013

Lutoslawski Janacek Bartok - Klassische Moderne

Das Konzert am Abend des 12.09. wurde mit Witold Lutoslawskis Symphonie Nr. 4 eröffnet. Ein einsätziges Werk das im Zeitraum von 1988 bis 1992 entstand. Auch hier verwendet Lutoslawski, wie in vielen seiner nach 1960 entstandenen Werken, sich abwechselnde Abschnitte von genau ausnotierten (dirigierten) und "kontrolliert aleatorischen" (nicht dirigierten oder nur Einsätze anzeigenden) Passagen. Diese Technik erlaubt es dem Komponisten Übernotation zu vermeiden und den Schwierigkeitsgrad bestimmter Texturen so gering wie möglich zu halten und gleichzeitig ein rhapsodisches Rubatomoment zu integrieren. Das Resultat ist nie unvorhersehbar oder darauf angelegt komplett verschiedene Klangkonstellationen zu ermöglichen, es bleibt dem jeweiligen musikalischen Charakter oder Topos treu, also zielt auf größtmögliche Ähnlichkeit bei aller Freiheit. Die Berliner Philharmoniker unter Alan Gilbert spielten die Symphonie überzeugend und unproblematisch. Sie konnten die aleatorischen Teile mit Spannung füllen und mit der ihnen angedachten Leichtigkeit.

Als zweites Werk stand Janaceks Konzert für Violine und Orchester Wanderung einer kleinen Seele auf dem Programm. Dieses wurde leider von Janacek nur skizziert (1924 - 1928) und ist uns heute nur in einer 1988 durch Faltus und Stedron vervollständigten Fassung zugänglich. Gleichwohl ist es eines der schönsten und spannendsten Werke Janaceks und der Konzertliteratur. Thomas Zehetmair war der Solist des Abends und wer seine Aufnahme des Konzerts von 1997 kennt, weiß das die Erwartungen groß waren. Und er hat uns nicht enttäuscht: Zehetmair spielt so frisch und brilliant wie vor 15 Jahren, er kennt seinen Janacek und trifft jeden Ton mit genauer Emotionalität - definitiv ein Höhepunkt des diesjährigen Musikfestes.

Zum Abschluß gaben die Philhamoniker Bartoks Tanzspiel Der holzgeschnitzte Prinz, von Bartok 1917 beendet. Eine grandiose Partitur: spätromantisch, impressionistisch anknüpfend an die Werke, die Strawinsky für die Ballets russe geschrieben hat. Und das Orchester fesselt uns von der ersten Minute an bis zum Schluß, fast eine ganze Stunde: mit Engagement, Virtuosität und Nuanciertheit.

Ein wunderbares und kraftvolles Konzert! Wer das hören möchte, kann am 21. September den Konzertmitschnitt im Kulturradio des RBB ab 20.00 Uhr nachverfolgen oder besucht die Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker.

Mittwoch, 11. September 2013

Björk auf dem Berlin Festival 2013


Der Höhepunkt des Berlin Festivals 2013 war für mich eindeutig Björk! Kaum ein anderer Künstler oder Künstlerin kann so wunderbar eklektisch verschiedenste Musikgenres, -stile und -mittel miteinander kombinieren und dabei so konsistent sein. Björk sang das ganze Konzert mit einer Kristallmaske auf dem Kopf, die sie wie eine große Schneeflocke oder Pusteblume aussehen ließ. Die Bühnenshow war einfach gestaltet und am effektvollsten war das Teslaphon eine Art Blitzkanone in einem Farradayschen Käfig und das Bühnenfeuerwerk zu "Náttúra". Ansonsten gab es noch drei große Leinwände, einen Mädchenchor, mehrere Orgeln, einen Schlagzeuger und einen Computermusiker zu sehen und hören. Die Arrangements der Songs gingen von extrem ruhig bis extrem hardcore, also die volle Palette an Stimmungen und Lautstärken. So gab es alle möglichen Momente in den das Publikum gespannt lauschte und wartete, was da nun kommen möge, bis hin zu wilden Tanzekstasen mit Gruppensingen.





















Spannend bleibt, was da noch von Björk kommen mag. Vieles ist in Kooperation entstanden und die Resultate überzeugen. Wiedermal ein großartiges Beispiel für die akademischen Kollegen, wie neue Musik gemacht werden kann.

Bartók Hartmann Schostakowitsch - Musik in der Krise (2)

Auf die Frage "Warum denn Musik in der Krise und nicht Musik aus der Krise?" möchte ich gerne antworten: Alle drei Werke wurden in Krisen geschrieben, persönliche als auch systemische, zwei davon wurden unter Krisenbedingungen uraufgeführt und verarbeiten direkt durch ihr Programm oder Subjekt Krisen. Gleichfalls soll der Titel auf den Sachverhalt deuten, wie Musik in der Krise entstehen kann und möglich ist, anstatt nur aus der Krise, was mehr ein Ende der Krise suggeriert bzw. ein Überwinden, ein Bewältigen derselben, dass ich aber offen halten möchte.

Doch zurück zum Konzert: 

Die Vier Orchesterstücke op. 12 von Bartók wurden wunderbar durch das RSB zu Gehör gebracht. Die verschiedenen impressionistischen bis expressionistischen Texturen, Effekte und Orchestrierungen kamen gut zur Geltung und überzeugten mich wieder von der Qualität der Stücke, die meist unterschätzt werden.

Das Concerto funebre von Hartmann wurde mit viel Gefühl durch Isabelle Faust und die Streicher des RSB vorgetragen. Dabei gelang es der Solistin mit intimen Ton und ausgewogener Virtuosität mit dem Orchester zu musizieren - eine durchsichtige, genaue und gelungene Aufführung, die dem Werk  gerecht wurde.

Schließlich die 13. Sinfonie op. 113 b-Moll "Babi Yar" von Schostakowitsch: Nach etwas diffusem Anfang konnte das Spiel des Orchesters fesseln. Günther Groissböck sang hervorragend die Solopartie. Der Chor sang sehr solide. Doch hätte eine Aufführung in Russisch dem Werk bestimmt besser getan und mehr Wirkung gezeigt.

Insgesamt kann dem ältesten Rundfunkorchester Deutschlands gratuliert werden zu diesem Abend. Es ist zu hoffen, dass noch viele derartig erfolgreiche Kooperationen folgen werden. Wünschenswert bleibt nur eine größere Begeisterung und mehr Mut für zeitgenössische Produktionen.

Dienstag, 10. September 2013

Bartók, Hartmann, Schostakowitsch - Musik in der Krise (1)

Der Besuch in der Philharmonie am letzten Donnerstag (05.09.) war zu allererst schön: Das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Marek Janowski hat gut gespielt, das Programm war eine gelungene Zusammenstellung von Werken die in Krisenzeiten geschrieben wurden oder sich mit diesen auseinandersetzen, die Akustik der Philharmonie war wieder mal beeindruckend, die Solisten des Abends, Isabelle Faust und Günther Groissböck, waren hervorragend und bestimmten mit ihrer Präsenz die Atmosphäre und Stimmung des Konzertes.

Das Format, die Präsentation und Darstellung, Zusammenfügung der bürgerlich-industriellen Arbeitsteilung verfehlt immer noch nicht seine Wirkung - Solisten, Dirigent und Orchester erzeugen mit präzisen Gesten den rituellen Zauber eines großen Konzertabends.

Das Programm beinhaltet Werke deren Enstehung einen Zeitraum von 50 Jahren erfasst: Bartóks Orchesterstücke begonnen 1912 und erst 1921 beendet, Schostakowitschs 13. Sinfonie 1962 fertiggestellt und in der Mitte Hartmanns Violinkonzert 1939 geschrieben und 1959 revidiert.

Zwei Jubiläen wurden in diesem Konzert vereint: Vor 50 Jahren (1963) starb der Komponist Karl Amadeus Hartmann und vor 40 Jahren (1973) wurde die 13. Sinfonie von Schostakowitsch durch das RSB erstmalig in der DDR aufgeführt.

Alle drei Werke vereint die Enstehung in und Reflektion auf schwierige Zeiten: 1912 zog sich Bartók aus dem öffentlichen Musikleben in Budapest auch aufgrund der schwierigen politischen Lage zurück, Hartmann schrieb sein Concerto funebre 1939 unter dem Eindruck der Machtergreifung der Nazis und zog sich ebenso aus der deutschen Öffentlichkeit zurück, Schostakowitsch wagte 1962 mit seiner politik- und systemkritischen 13. Sinfonie zu viel, das Werk wurde aus dem sozialistischen Musikleben verbannt, Schostakowitschs Karriere irreparabel beschädigt.






Dienstag, 3. September 2013

Expectations - Musikfest 2013

The Musikfest just started and is opening the Berlin season 2013/14.
This Year the focus is on Bartok, Janacek and Lutoslawski and the music from the former East block / East Europe or like it says in the preface to the festival the Middle of Europe. A beautiful choice as an introduction is the text Hudba from Elias Canetti. Hudba is Czech for the word music and Canetti loves how it sounds like Bartok, Janacek or Stravinsky.

Unfortunately the interesting programm is slightly konservative: There is not even one worldpremiere or reopening of a work from a contemporary composer. And we are sure there is a lot in Czech republic, Poland or Hungary that would fit the purpose!

Anyway, these are the three concerts we decided to go to:

1. Shostakovich symphonie #13 "Babi Yar"


2. the violin concerto from Janacek


3. Stravinsky "Les Noces" in the restored version from 1919 by Theo Verbey


We looking forward to these concerts and gonna  report in detail about them. If you here in Berlin and visiting any of the concerts of the Musikfest send us your thoughts or meet and talk to us during the breaks or after the concerts. We are open for your opinion.



Montag, 2. September 2013

Erwartungen - Musikfest 2013

Das Musikfest 2013 hat gerade angefangen und die Saison 2013/14 für Berlin eröffnet.
Schwerpunkte dieses Jahr sind Bartok, Janacek und Lutoslawski und damit zusammenhängend Musik des Ostblocks/Osteuropas bzw. wie der Eingangstext zum Programm erläutert eigentlich Mitteleuropas. Sehr schön ist der Eingangstext Hudba von Elias Canetti mit direktem Bezug zu den zwei Erstgenannten. Leider ist die Programmierung mit Abstrichen nur interessant zu nennen. Wenigstens eine Ur-/Wiederaufführung eines Zeitgenossen wäre wünschenswert gewesen: Eine Vielzahl von tschechischen, polnischen oder ungarischen Komponisten hätte sich hierfür angeboten.

Für folgende Konzerte haben wir uns entschieden:

Schostakowitschs Sinfonie Nr 13 "Babi Yar"
Janaceks Violinkonzert
und Strawinskys Les Noces

Wir erwarten mit Spannung diese drei Konzerte und werden ausführlich darüber berichten.
Solltet ihr auch zum Musikfest oder diesen drei Konzerten gehen, freuen wir uns auf eure Meinung und sind für Gespräche offen.

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